Worte kommen zu kurz, um das Geheimnis zu beschreiben

    O, die Größe des göttlichen Wirkens übertrifft und überragt die Kraft der menschlichen Sprache bei weitem. Deshalb kann ich nicht schweigen und aus demselben Grund ist es schwierig, die richtigen Worte zu finden.

    Egal, wie viel ich sage; es reicht nie aus, das Geheimnis von Weihnachten erschöpfend zu preisen. Freuen wir uns aber, dass wir gar nicht imstande sind, ein so großes Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes in entsprechende Worte zu kleiden! Und wenn es mir nicht gelingt, das Wunder unserer Erlösung verständlich darzulegen, so sieh in diesem Unvermögen etwas Gutes! Denn niemand kommt der Erkenntnis der Wahrheit näher, als derjenige, der sich dessen bewusst wird, dass das Göttliche unerforschlich bleibt, selbst wenn man an Erkenntnis zunimmt. Wer sich nämlich anmaßt, er habe das Ziel seines Strebens schon erreicht, der findet nicht, was er sucht. Denn so jemand forscht viel wenig.

    Trotzdem müssen wir uns von den Begrenzungen unserer schwachen Natur nicht verwirren lassen, sondern dürfen uns von der Stimme des Evangeliums und der Propheten helfen lassen. Diese Stimme erleuchtet und belehrt uns über die Geburt des Herrn, von der es heißt: »das Wort ist Fleisch geworden« (Joh 1,14). Und so betrachten wir dieses Wunder nicht so sehr als etwas Vergangenes, sondern vielmehr als etwas Gegenwärtiges, als sähen wir es mit unseren eigenen Augen.

    Die Botschaft der Engel an die Hirten, die ihre Herden bewachten, ist auch zu uns gedrungen. Und wir hören die Worte, die von Gott stammen, mit unserem geistigen Ohr – so, als erschalle es jedes Weihnachtsfest wieder: »Siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr« (Lk 2,10-11).

    Und damit diese unübertreffliche Freudenbotschaft noch stärker aufleuchtet, stimmen die unzählbaren himmlischen Heerscharen der Engel zur Verherrlichung Gottes das Loblied an: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens« (Lk 2,14).

    Gottes Ehre ist also die Geburt des Kindes Jesus aus seiner jungfräulichen Mutter Maria. Ja, die Erlösung der Menschheit bietet berechtigten Anlass zur Verherrlichung ihres Urhebers.
    In ihm ist der Friede auf die Erde gekommen. Durch ihn erhalten die Menschen ein Wohlgefallen.

    »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens« (Lk 2,14).

    Ein Tagesimpuls von Leo dem Großen

    Aus: »Sermones«, Bibliothek der Kirchenväter, sprachlich überarbeitet. 
    16. November 2021, 5:00 Uhr

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

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