Unter neuen Verhältnissen und auf neue Art

    Als die Zeit erfüllt war, die Gott im Voraus für die Erlösung der Menschen bestimmt hatte, erschien der Sohn Gottes, Jesus Christus, auf unserer niedrigen Erde. Er stieg von seinem himmlischen Thron herab und er wurde unter neuen Verhältnissen und auf neue Art Mensch.

    Neu waren die Verhältnisse, weil er, der seinem Wesen nach unsichtbar ist, in unserem Wesen sichtbar wurde. Der Unfassbare machte sich fassbar. Der, der vor aller Zeit schon war, nahm in der Zeit seinen Anfang. Der Herr des Alls zog die Knechtsgestalt an. Er verhüllte die Würde seiner Majestät, und der leidensunfähige Gott verschmähte es nicht, ein leidensfähiger Mensch zu werden. Er, der allein Unsterblichkeit hat, beugte sich dem Gesetz des Todes.

    Neu war die Art, wie er zur Welt kam, weil er von einer Jungfrau empfangen und geboren wurde – ohne dass die fleischliche Lust eines Vaters beteiligt war oder die Mutter ihre Reinheit verlor. Eine solche Geburt gebührte auch dem Erlöser der Menschheit: sie hatte das Wesen der menschlichen Natur an sich, blieb aber von der Befleckung des menschlichen Fleisches unberührt.

    Gezeugt wurde er ganz anders als alle anderen Menschen, obwohl seine Natur ganz ähnlich ist. Seine Geburt hatte nichts mit dem gewöhnlichen Verkehr der Menschen zu tun. Nein, es beruhte auf göttlicher Macht, dass eine Jungfrau empfing, eine Jungfrau gebar und immer eine Jungfrau blieb. Hierbei müssen wir aber nicht auf die menschliche Natur der Gebärenden schauen, sondern auf den Willen dessen, der geboren wurde. Er wurde in der Weise Mensch, wie er es wollte und konnte.

    Suchst du seine wahre Natur? So erkenne die menschliche Gestalt. Studierst du die Art und Weise seiner Menschwerdung? So bekenne dich zur göttlichen Kraft!

    Erschienen ist der Herr Jesus Christus, um alle Befleckung von uns zu nehmen, nicht um sich von uns beflecken zu lassen. Er kam nicht, um unseren Gebrechen zu unterliegen, sondern um sie zu heilen.

    Er brachte unseren Leibern das neue Gnadengeschenk unbefleckter Reinheit. Und deshalb musste er auch unter neuen Umständen geboren werden. Seine Makellosigkeit musste die Jungfräulichkeit seiner Mutter wahren. Die Kraft des göttlichen Geistes, die sie überströmte, machte aus ihr ein ihm wohlgefälliges Bollwerk der Keuschheit, das er auch rein behalten würde. Denn der Geist hatte beschlossen, das Gestürzte wieder aufzurichten, das Zerbrochene wieder zusammenzusetzen und der Enthaltsamkeit zum Sieg über die Verlockungen des Fleisch zu verhelfen. Er will uns neue Kraft schenken, damit wir, auch wenn wir unsere Unversehrtheit nicht etwa durch eine Jungfrauengeburt wahren können, die Jungfrau doch nachahmen, wenn wir innerlich wiedergeboren werden.

    »Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben« (Lk 1,30-32).

    Ein Tagesimpuls von Leo dem Großen

    Aus: »Sermones«, Bibliothek der Kirchenväter, sprachlich überarbeitet. 
    24. November 2021, 5:00 Uhr

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

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