Stephen King, das Böse und ein Jenseits ohne Hoffnung

    Das Böse existiert. Das weiß Stephen King ganz genau. Aber an einen Teufel glaubt er nicht und seine Schlussfolgerung scheint wenig hoffnungsvoll. Über das Evangelium und ein Jenseits ohne Hoffnung.

    Von René Malgo

    19. November 2021, 11:00 Uhr
    »Stephens Kings Jenseits ist ohne Hoffnung.« Bild: Jonathan Bowers, Unsplash.

    In einem Interview meinte der amerikanische Horrorautor Stephen King: »Das Böse ist Teil unserer Natur. Je älter ich werde, desto weniger glaube ich an die Theorie, dass es eine mysteriöse teuflische Kraft gibt, die von außen auf uns einwirkt. Sie kommt aus uns selbst.« 

    Die Hälfte seiner Aussage trifft zu. 

    Jesus sagte: »Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken …« (Mk 7,21). Böses ist in uns und kommt aus uns heraus. Das erfährt jeder, der sich nicht sämtlichen zwischenmenschlichen Beziehungen verschließt. Kings Schlussfolgerung: »Und wenn wir es nicht schaffen, das zu erkennen und etwas Gutes daraus zu machen, werden wir uns früher oder später alle gegenseitig die Köpfe einschlagen.«

    Wenn wir die jahrtausendealte blutige Geschichte der Menschheit betrachten, könnten wir da nur zynisch reagieren: »Na, dann gute Nacht!«

    Aber das ist nicht alles. Zumindest nicht aus christlicher Sicht. Und das macht die frohe Botschaft der Kirche so froh. Salopp gesagt: Jesus hat tatsächlich etwas Gutes aus dem Bösen gemacht, als er am Kreuz das Böse, das die Stachel des Todes ist, besiegte – und zwar indem er es durch seinen Tod und seine Auferstehung sozusagen von innen heraus aushöhlte und vernichtete. Wer sich nun durch »das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist« (Tit 3,5), die er in seiner Kirche anbietet, mit ihm vereint, kann das Böse wirklich in etwas Gutes verwandeln. Und das für alle Ewigkeit, über dieses irdische Leben hinaus.

    Das ist die eine Seite.

    Die andere ist: Der Teufel ist real. Das Böse, von ihm verursacht, wütet zwar in unserer Natur – wie ein Gift –, aber es ist nicht Teil davon. Sünde, Ungerechtigkeit, Bosheit … es ist ein Fremdkörper. Und darum stört er uns auch so sehr. Und darum gibt es Hoffnung. Wir sind nämlich nicht auf Gedeih und Verderb dem Bösen ausgeliefert, weil es nun einmal ein Teil von uns wäre. Im Gegenteil: Weder sind wir dafür noch darin geschaffen worden. 

    Im Jahr 2016 erfuhr der agnostische Regisseur William Friedkin, dass der Teufel wirklich existiert. Denn erstmals wurde er selbst, der 1973 für den Horrorfilm Der Exorzist bekannt geworden ist, Zeuge eines echten Exorzismus. Er nahm Dinge auf Video auf, die auch die besten Ärzte nicht wissenschaftlich erklären konnten. Für Vanity Fair schilderte er ausführlich, was er mit einem berühmten Exorzisten des Vatikan erlebt hat. Es ist ein Artikel (von einem Nichtchristen), der nicht nur Atheisten, sondern auch Protestanten zu denken geben sollte …

    Die medizinischen Experten, die Friedkin mit dem Exorzismus auf Video konfrontierte, sprechen natürlich nicht von einem Teufel, sondern bestenfalls von Phänomenen, die noch nicht erforscht oder erklärt worden sind. Einem aufgeklärten, westlichen Menschen ist es nahezu unmöglich, an einen Teufel zu glauben – auch wenn er existiert. 

    In der Reformationszeit räumten viele protestantische Theologen gründlich mit dem – wie sie es empfanden (und das oft zu Recht) – magischen Denken und Aberglauben des Mittelalters auf. 1691 veröffentlichte der niederländisch-reformierte Prediger Balthasar Bekker das Buch De betoverde wereld (Die verzauberte Welt). Darin machte er sich über Zauberei, Hexen, Geister und Dämonen lustig. Er stellte auch – wenngleich behutsam formuliert – die Existenz eines persönlichen Teufels infrage. Das Buch wurde ein Hit. Der britische Historiker Jonathan Israel nannte es eines der »Schlüsselbücher der frühen Aufklärung«; es war in Europa der Anfang vom Ende des Glaubens an einen real existierenden Teufel.

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

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    Der französische Schriftsteller Charles Baudelaire schrieb einmal die berühmten Worte: »Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt.«

    Obwohl oft zitiert – sogar in Hollywoodfilmen –, lassen sich doch die wenigsten durch diese Feststellung warnen. Kaum jemand glaubt noch an einen buchstäblich Teufel, und sogar Christen stehen in Gefahr, mehr von der sie umgebenden rationalistischen Kultur beeinflusst zu werden, als ihnen lieb sein dürfte. 

    Wir neigen dazu, uns so zu verhalten, als gäbe es den Teufel und seine fiesen Machenschaften gar nicht. Doch der große Widersacher existiert, und er ist gefährlich.

    Offenbarung 12 schildert den Teufel bildhaft als einen großen, zornigen, feuerroten, siebenköpfigen, zehnhörnigen, wasserspeienden Drachen mit zehn Kronen. Er ist ein mächtiger Feind, ja, er ist so mächtig, dass wir aus eigener Kraft auf Dauer nicht gegen ihn gewinnen könnten. Interessanterweise scheint gerade Stephen King dies instinktiv zu verstehen … 

    Nach den Worten des evangelikalen Theologen Roger Olson zu schließen, der einen Artikel über Kings Horrorroman Revival schrieb, kennt King in diesem Buch anscheinend nur ein Jenseits: die Hölle, regiert von schrecklichen bösen Kreaturen, die Menschen, darunter auch Kinder, versklaven und foltern. Revival gibt vor, über einen christlichen Erweckungsprediger zu schreiben, ist aber so weit von der christlichen frohen Botschaft entfernt wie nur möglich, so die ernüchternde Feststellung Olsons. Stephens Kings Jenseits ist ohne Hoffnung.

    Und tatsächlich, wenn wir über das grassierende Böse oder den Teufel und seine Macht sprechen und dabei Christus und sein Kreuz vergessen (oder gar nicht kennen), dann scheint wirklich nur eines zu bleiben: der Sieg des Bösen. Aber die gute Nachricht lautet: der große feuerrote Drache ist besiegt worden, und ausgerechnet durch ein geschlachtetes Lamm, wie Offenbarung 5 zeigt.

    Welch ein Kontrast: Das Lamm zermalmte dem Drachen den Kopf, als dieser ihm die Ferse durchstach. Dies geschah am Kreuz von Golgatha, als Jesus Christus die Sünde der Welt auf sich nahm, starb, aus den Toten auferstand und damit dem Teufel die Macht des Todes nahm und alle aus seinen Klauen befreite, die sich fortan durch den Glauben und in der Taufe mit ihm vereinen, auf ihn hoffen und ihn lieben.

    Darum kann der Apostel Paulus, der ein Märtyrer für den Glauben wurde, triumphierend ausrufen, selbst im dunkelsten Tal: »Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus. Daher, meine geliebten Brüder und Schwestern, seid standhaft und unerschütterlich, seid stets voll Eifer im Werk des Herrn und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist!« (1Kor 15,55-58).

    Der Teufel existiert, und das ist unsere Hoffnung. Denn das Böse ist nicht etwa unauflöslich mit uns verwoben, sondern durch Christus besiegbar geworden.

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