Faszination Halloween

    Es ist die Nacht, die die Fantasie Unzähliger beflügelt: Halloween. Was hat dieser eigenartige Herbstbrauch auf sich, dass er so viele in seinen Bann zieht? Eine Antwort ist: Liebe.

    Von René Malgo

    14. November 2021, 11:00 Uhr
    »Auch Tausende Halloweens am Stück werden uns nicht glücklich machen.« Bild: Marko Blažević, Unsplash.

    Was hat Halloween mit Liebe zu tun? Mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

    Der letzte große Denker der Antike und erste große Denker des Mittelalters, Augustinus von Hippo, stellte einst fest: »Für jeden, der seinen Verstand zu benutzen weiß, steht es außer Frage, dass alle Menschen glückselig sein wollen.«

    Endlich glücklich zu sein – das ist doch das Ziel jedes Menschen. Wer kann da widersprechen?

    Und Augustinus bemerkte auch, dass Liebe die Kraft ist, die den Menschen antreibt. Das bedeutet: Da wir glücklich sein wollen, lieben wir immer das, was uns unserer Meinung nach Glückseligkeit verschafft. Und das treibt uns an.

    Liebe, Glück … und Halloween – wo ist da die Verbindung?

    Manche verknüpfen Halloween (fälschlicherweise) mit alt-heidnischen Totenbräuchen. In der Tat spielen Tod und Finsternis an Halloween eine Hauptrolle. Groß und Klein verkleiden sich nur allzu gerne als Zombies, Vampire, Hexen, Zauberer, Geister und dergleichen. Das Halloween, so wie wir es heute kennen, kommt allerdings aus den USA und ist ein relativ neumodisches Fest. Einige seiner Bräuche sind im 19. Jahrhundert mit katholischen Iren nach Amerika verschifft und dort von der Konsumindustrie gründlich kommerzialisiert worden.

    Anfänglich hieß Halloween All Hallows’ Eve, das bedeutet: Abend vor Allerheiligen. An Allerheiligen gedenkt die Kirche der Heiligen in ihrer Geschichte. Halloween ist der Abend davor – wie Heiligabend vor Weihnachten.

    Wir brauchen keinen Doktortitel in Religionswissenschaften, um festzustellen, dass Halloween heute mit Kirchenheiligen so ziemlich nichts gemein hat. Aber die Frage bleibt: Was hat das mit Liebe zu tun?

    Zurück in die Vergangenheit. 410 nach Christus eroberten die Westgoten Rom. Das Römische Reich ging unter. – Und nein, das hat nichts mit Halloween zu tun. – Aber Augustinus von Hippo, der damals im heutigen Algerien lebte, beobachtete etwas Ungewöhnliches.

    Viele Menschen flohen aus Rom. Sie verloren ihre ganze Existenz, ihr Hab und Gut. Manche von ihnen kamen nach Hippo. – Und was taten diese Menschen, die alles verloren hatten? Sie gingen ins Theater. Sie suchten das Vergnügen, die Ablenkung … sie suchten ein Gefühl der Glückseligkeit.

    Das Gleiche tun die Menschen heute auch. Sie feiern, verkleiden sich, suchen den Grusel, machen sich über den Tod lustig – warum? Weil sie All Hallows’ Eve so sehr in Ehren halten wollen? Nein! Weil sie sich glücklich fühlen wollen, frei von der tristen Realität und den Zwängen des Alltags … Halloween bietet eine Nacht lang, wie die Theater der Antike und die Kinos heute, genau diese Realitätsflucht.

    Und dann?

    Gehen wir noch weiter zurück in die Vergangenheit. Zum Anfang. Manche lehren uns, dass das Universum begann, als Materie, Raum und Zeit gemeinsam aus einer ursprünglichen Singularität heraus entstanden. Das ist eine Theorie. Es geht aber auch anders: Nicht etwa eine unpersönliche ewige Singularität ist der Ursprung aller Dinge, sondern ein persönlicher ewiger Gott. Und warum ist das so wichtig? Weil hier die Liebe ins Spiel kommt … und schließlich Halloween.

    Nach christlichem Verständnis ist Gott Liebe. Liebe treibt ihn an. Dieser Gott hat Himmel und Erde erschaffen. Er hat den Menschen erschaffen, und zwar nach seinem Vorbild, wie es in den alten Heiligen Schriften heißt. Und das bedeutet zweierlei: Erstens, wir gehören zu Gott. Er hat uns gemacht. Zweitens, wir sind liebende Wesen.

    Jeder Mensch ist so beschaffen, dass er etwas lieben will. Darin sucht er Erfüllung. – Dies hat Augustinus erkannt. – Und das hat weitreichende Konsequenzen.

    Warum tun wir Menschen, was wir tun? Weil unsere Liebe uns antreibt, und zwar dorthin, wo wir das Glück zu finden meinen. Wir lieben andere Menschen, heiß und innig, bis sie uns enttäuschen. Wir lieben die Sinnlichkeit der Sexualität oder des Essens, bis wir nicht mehr können. Wir lieben und wir lieben und wir werden nimmer satt.

    Wir lieben alles Mögliche, in der schwachen Hoffnung, bleibende Befriedigung zu finden. Wie ein Drogenabhängiger, der ständig auf der Jagd nach jenem Kick ist, den er beim ersten Mal gespürt hat, kämpfen wir uns durchs Leben auf der Suche nach Erfüllung.

    Augustinus hat dies auch getan. Er ließ sich von seinem unbändigen Verlangen treiben. Von Frau zu Frau. Von Vergnügung zu Vergnügung. Von Theater zu Theater. Er war ruhelos, bis er Gott fand.

    Das ist auch logisch: Wenn Gott unser Schöpfer ist, dann finden wir Geschöpfe die Erfüllung unserer Liebe nur bei ihm.

    Unser Problem ist jedoch: Oft richten wir unsere Liebe auf das Falsche und suchen wir an den falschen Orten unser Glück. Halloween ist dafür ein treffendes Beispiel.

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

    Woher kommt unsere Faszination für alles Dunkle? Für Zombies, Vampire, Hexen und Zauberer? Für Blut und Gewalt? Die Antwort der christlichen Kirche lautet: Sünde, unsere fehlgeleitete Liebe. Ernüchternd ist der Befund der Bibel: Die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht (Joh 3,19).

    Aber auch Tausende Halloweens am Stück werden uns nicht glücklich machen. Wer wirklich glückselig sein will, muss nach Ansicht des Apostels Paulus das Gegenteil lieben: Für Gott leben, sich an ihm erfreuen, zu ihm beten und von seinem Heiligen Geist erfüllt sein (Phil 4,4-9; Eph 5,18-21).

    Wer diese Erfüllung anstrebt, wird nicht mehr in leeren Vergnügungen sein Heil suchen, die ohnehin nicht sättigen können, sondern sein Glück in der überfließenden Liebe und Barmherzigkeit Gottes finden. – Im Licht, und nicht in der Finsternis. Quaerere Deum, invenire beatidudinem. Gott suchen, Glück finden.

    Das ist auch das Lebensbekenntnis von Augustinus, der nach langer Suche im Gebet zu Gott schließlich ausrief:

    »Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir. Weit weg von dir zog mich, was doch keinen Bestand hätte, wenn es nicht in dir wäre. Du hast mich laut gerufen und meine Taubheit zerrissen; du hast geblitzt und geleuchtet und meine Blindheit verscheucht. Du hast mir süßen Duft zugeweht; ich habe ihn eingesogen, und nun seufze ich nach dir. Ich habe dich geschmeckt, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich berührt, und ich bin entbrannt in deinem Frieden.«

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