Die dunkle Nacht der Seele

    »O die Nacht, die den Geliebten mit dem Liebenden verband, den Liebenden in den Geliebten verwandelte!« – Das berühmte Gedicht über die Vereinigung der Seele mit Christus. Teil 1 von »Der Aufstieg der Seele«. 

    Eine Hymne von Jonannes vom Kreuz

    15. November 2021, 11:00 Uhr
    Teil der Serie »Der Aufstieg der Seele«. Bild: »Heiliger Theonas als Einsiedler«, Boëtius Adamsz. Bolswert, 1619.

    In einer dunklen Nacht, von Liebe und Sehnsucht entflammt – o glücklicher Zufall! –, da ging ich hinaus, unbeobachtet. Mein Haus war nun in Ruhe.

    Sicher im Dunkeln, über die geheime Leiter, verkleidet – o glücklicher Zufall! –, im Dunkeln und im Verborgenen. Mein Haus war nun in Ruhe.

    In der glücklichen Nacht, im Verborgenen, als mich niemand sah und ich nichts sah, ohne Licht und ohne Führer, außer dem, was in meinem Herzen loderte.

    Dieses Licht führte mich, sicherer als das Licht des Mittags, an den Ort, wo Er (wohl wusste ich, wer!) mich erwartete – ein Ort, wohin niemand kam.

    O die Nacht, die mich führte. O die Nacht, schöner als die Morgendämmerung. O die Nacht, die den Geliebten mit dem Liebenden verband, den Liebenden in den Geliebten verwandelte!

    An meiner blühenden Brust, die Er ganz für sich allein hielt, blieb Er schlafend, und ich beschenkte Ihn, und im Säuseln der Zedern kam eine Brise.

    Der Wind wehte von der Zinne, als ich durch Sein Haar fuhr. Mit Seiner sanften Hand verwundete Er meinen Hals und setzte alle meine Sinne außer Kraft.

    Ich blieb, in Vergessenheit verloren. Mein Antlitz lehnte ich an den Geliebten. Alles hörte auf und ich gab mich selbst auf, ließ meine Sorgen zurück, vergessen zwischen den Lilien.

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

    Aus: Ascent of Mount Carmel, Stanzas. Übersetzt von René Malgo.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.