Die Dummheit von Weihnachten

    Schon vor dem Kommen des Herrn Jesus Christus wurde das Licht der Wahrheit ausgesandt, um die Väter und Propheten des Glaubens zu erleuchten, nach den Worten Davids: »Sende dein Licht und deine Wahrheit« (Ps 43,3). Der Sohn hat auch auf verschiedene Art und Weise und durch viele Zeichen das Wirken seiner göttlichen Gegenwart offenbart. Doch all die wunderbaren Begebenheiten, die das Alte Testament schildert, waren nur Vorbilder und Zeugnisse für jene Ankunft, von der der Apostel sagt: »Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau« (Gal 4,4).

    Tatsächlich, der Schöpfer des Alls kam aus dem Mutterleib einer Jungfrau zur Welt. Der Herr der Herrlichkeit ließ sich herab, wie die Menschen geboren zu werden. Diese Empfängnis kam vom Heiligen Geist, ohne die Befleckung durch einen menschlichen Samen. Dennoch nahm er die Substanz wirklichen Fleisches an, indem er die menschliche Natur allein aus seiner Mutter übernahm.

    In dieser Ankunft, als sich Gott mit dem Menschen vereinte, steht der Sohn wohl unter dem Vater – allerdings nicht in dem, was er aus Gott ist, sondern in dem, was er aus dem Menschen wurde. Die Gleichheit, die in der Gottheit unveränderlich ist, wurde durch die Annahme der menschlichen Natur nämlich nicht beeinträchtigt. Vielmehr ist es so: Als unser Schöpfer zu seinen Geschöpfen herabstieg, bedeutete dies für uns Glaubenden die Erhebung zum Ewigen.

    »Da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte«, wie es Paulus sagt, »beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten« (1Kor 1,21). Das heißt: Für die Klugen dieser Welt ist ihre Weisheit zur Blindheit geworden. Denn niemand kann Gott in seiner eigenen Weisheit erkennen, sondern nur durch die Weisheit Gottes selbst.

    Unsere Welt prahlt ja gerne mit ihrem Wissen und ihren Überzeugungen, die letztlich nichtig sind. Gerade deshalb hat der Herr den Glauben derjenigen, die erlöst werden sollen, auf einer Botschaft aufgebaut, die verrückt und dumm erscheint. Damit sollen alle anmaßenden Meinungen der Menschen zum Schweigen gebracht und Gottes Gnade allein enthüllt werden – eine Gnade, die unser menschlicher Verstand schlicht und ergreifend nicht zu fassen vermag.

    »Der irdisch gesinnte Mensch aber erfasst nicht, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann« (1Kor 2,14).

    Ein Tagesimpuls von Leo dem Großen

    Aus: »Sermones«, Bibliothek der Kirchenväter, sprachlich überarbeitet. 
    18. November 2021, 5:00 Uhr

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

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