Der geheime Plan

    Erschienen ist er also, jener von alters her angekündigte Tag, der uns Erlösung und ewige Glückseligkeit beschert. Alle Jahre wieder sehen wir das Geheimnis unseres Heils – das Geheimnis, das von Anfang an verheißen wurde, das am Ende der festgesetzten Zeit in Erfüllung ging und das endlos dauern soll. Es ist nur angemessen, dass wir anlässlich von Weihnachten unser Herz zum Himmel erheben und dieses göttliche Geheimnis verehren. Das, was Gott in seiner großen Gnade wirkt, soll in seiner Kirche unter großem Jubel gefeiert werden.

    Unser allmächtiger und gnadenreicher Gott ist seinem Wesen nach Güte, sein Wille ist Macht und sein Werk ist Erbarmung. Schon in den ersten Zeiten der Welt kündigte er die Heilsmittel an, die er in seiner Liebe für die Erlösung der Menschheit bereithielt. Der Teufel hatte uns in seiner Bosheit und durch das Gift seines Neides den Tod gebracht. Doch Gott sagte dieser Schlange, dem Satan, dass der Same der Frau kommen und sein stolzes, schändliches Haupt zermalmen würde. Damit meinte er Jesus Christus, den im Fleisch der Menschen kommenden Gott. Von einer Jungfrau geboren sollte er den Verderber der Menschheit durch seine makellose Geburt vernichten.

    Der Teufel konnte damit angeben, dass er durch seine Verführungskünste dem Menschen die göttlichen Gnadengaben genommen hatte. Wir waren des Geschenks der Unsterblichkeit beraubt worden und hatten unser hartes Todesurteil hören müssen. Er konnte damit angeben, etwas Trost darin gefunden zu haben, dass sein Fall auch zu unserem geworden ist. Er konnte damit angeben, dass Gott seinen ursprünglichen Beschluss für die Menschen, die er in so hoher Würde erschaffen hatte, nach dem Prinzip seiner strengen Gerechtigkeit zurückgenommen hätte.

    Darum war ein geheimer Plan vonnöten. Der unwandelbare Gott konnte den Willen seiner Güte nicht aufgeben. Er würde die ursprüngliche Bestimmung seiner väterlichen Liebe in einem verborgenen Geheimnis verwirklichen. Denn Gott wollte nicht, dass der Mensch zugrunde geht, der durch die böse List des Teufels in Schuld geraten war.

    »Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: … Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen« (1Mo 3,14.15).

    Ein Tagesimpuls von Leo dem Großen

    Aus: »Sermones«, Bibliothek der Kirchenväter, sprachlich überarbeitet. 
    22. November 2021, 5:00 Uhr

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

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