Das große Wunder der Liebe

    Nur, wenn wir uns nicht von menschlicher Weisheit, sondern von der Belehrung des Heiligen Geistes leiten lassen, nur dann stehen wir mitten in den Gefahren des Irrtums unter den Schutz und Schirm der Wahrheit. Darum glaube ich, was uns verkündet wurde, und darum predige ich, was wir glauben:

    Der Sohn Gottes, der vor aller Zeit vom Vater gezeugt wurde, ist ebenso ewig wie der Vater und ihm in seiner Natur völlig gleich. Er kam in diese Welt, und zwar aus dem Mutterschoß einer Jungfrau, die für dieses Geheimnis der Liebe auserwählt worden war. In ihr und aus ihr hat er, die Weisheit in Person, sein Haus erbaut (Spr 9,1). Er, der das unveränderliche göttliche Wort genannt wird, hat Knechtsgestalt angenommen, um unserem sündigen Fleisch ähnlich zu sein.

    Dennoch erlitt bei ihm, beim Vater oder beim Heiligen Geist die Herrlichkeit keinerlei Einbuße. Die Natur des höchsten und ewigen Wesens kann nämlich weder verringert noch verändert werden. Wegen unserer Schwachheit erniedrigte er sich jedoch für diejenigen, die ihn nicht fassen können. Den Glanz seiner Majestät, den das Auge des Menschen nicht zu ertragen vermag, verbarg er in einem menschlichen Leib. Deshalb heißt es auch von ihm, er habe sich selbst erniedrigt. In der Armseligkeit, in der er uns zu Hilfe kam, erniedrigte er sich, so gesehen, nicht nur unter den Vater, sondern auch unter sich selbst.

    Durch diese Herablassung verlor er, der eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist ist, nichts. Denn gerade darin wirkte seine Allmacht, dass er in unserer menschlichen Natur geringer als der Vater geworden ist, aber in seiner eigenen göttlichen nicht.

    Er ist das Licht für die Blinden, die Kraft für die Schwachen und das Erbarmen für die Elenden, auf die er schaut. Und so vollzog sich das große Wunder der Liebe, dass sich der Sohn Gottes die Natur und die Sache des Menschen zu eigen machte. Dies tat er, um unsere Natur, die er erschaffen hatte, wiederherzustellen, und den Tod, den er nicht geschaffen hatte, zu vernichten.

    »Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben« (1Joh 4,9).

    Ein Tagesimpuls von Leo dem Großen

    Aus: »Sermones«, Bibliothek der Kirchenväter, sprachlich überarbeitet. 
    19. November 2021, 5:00 Uhr

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

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