Das Geheimnis von Weihnachten

    Vielleicht ist dir das Geheimnis von Weihnachten bereits hinlänglich bekannt und du hast schon sehr viel darüber gehört. Das können wir dann mit dem sichtbaren Licht vergleichen: ein gesundes Auge freut sich immer darüber. Und so ist es auch bei der Geburt des Erlösers, von der wir nie schweigen dürfen, obgleich wir sie gar nicht angemessen erklären können: gesunde Herzen werden sich immer darüber freuen …

    Weihnachten ist der Tag, den Gott sich aus der Folge der Zeiten, die nach seiner Anordnung ihren Lauf vollenden, erwählt hatte: der Sohn Gottes, der wesensgleich mit dem Vater ist und dieselbe Natur hat, der Schöpfer und Herr des Universums, der überall ganz zugegen ist und den doch nichts zu fassen vermag – er entschied sich, zum Heil der Welt, von der Jungfrau Maria geboren zu werden und dabei die Keuschheit seiner Mutter vollkommen zu bewahren.

    Als er geboren wurde, blieb ihre Jungfräulichkeit tatsächlich unverletzt – genauso wie sie auch nicht durch die Empfängnis von Sünde befleckt worden war. Warum? »damit sich erfüllte«, sagt der Evangelist, »was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns« (Mt 1,22-23).

    Durch diese wunderbare Geburt hat die gottgeweihte Jungfrau in ihrem Kind die eine wahrhaft göttliche und zugleich wahrhaft menschliche Person zur Welt gebracht. Sowohl die menschliche als auch die göttliche Natur haben ihre Eigenart behalten, aber nicht in der Weise, dass wir bei diesem Kind von zwei verschiedenen Persönlichkeiten sprechen dürften. Auch wurde nicht etwa das geborene Geschöpf zum Wohnsitz seines Schöpfers. Nein, die eine Natur vereinigte sich aufs innigste mit der anderen.

    Ja, das menschliche Wesen, das angenommen wurde, ist ganz anders als das göttliche Wesen, das die Annahme gewährt hat. Dennoch hat sich der Unterschied beider zu einer so starken Einheit verbunden, dass wir hier von ein- und demselben Sohn sprechen. In Bezug auf seine wahre Menschheit nennt er sich daher geringer als der himmlische Vater (Joh 14,28), aber in Bezug auf seine wahre Gottheit bezeichnet er sich als dem Vater gleich (Joh 10,30).

    »Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit« (Joh 1,14).

    Ein Tagesimpuls von Leo dem Großen

    Aus: »Sermones«, Bibliothek der Kirchenväter, sprachlich überarbeitet. 
    21. November 2021, 5:00 Uhr

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

    Ewiges Leben ist, Gott zu erkennen. Das ist Glückseligkeit, sagen die Heiligen. Mit anderen Worten: Dein Leben wird unendlich voll, wenn du mit Gott unterwegs bist. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ist echte Glückseligkeit im Alltag wirklich möglich? Diese Fragen stehen hinter den Veröffentlichungen des Giskim-Projekts. Erfahre mehr im regelmäßigen Newsletter und, wenn du willst, unterstütze die Arbeit von Giskim!

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