Das am meisten übersehene Zeichen der Endzeit

    Jesus und die Apostel geben viele Zeichen für die letzten Tage: Kriege, Verfolgung, Verführung, schwere Zeiten. Aber es gibt ein Zeichen, das besonders herausragt, und das, obwohl es von vielen gar nicht mehr wahrgenommen zu werden scheint.

    Von René Malgo

    23. November 2021, 11:00 Uhr
    »Der Herr der Verheißung zögert nicht, wie einige meinen, die von Verzögerung reden.« Bild: Dasha Urvachova, Unsplash.

    Schon immer wurde in der Kirchengeschichte gerne über die Zeichen des nahen Endes spekuliert. Das hat sich bis heute nicht geändert. 

    Es scheint, als hätte Christus diesen Umstand bewusst eingeplant, indem er gegenüber seinen Jüngern einige eher vage Zeichen für das Ende aller Dinge anführte. – So bleibt nämlich jede Generation wachsam und weiß doch nicht, wann der Herr erscheint und das Leben der kommenden Welt bringt.

    Heute wird in überwiegend evangelikalen Kreisen die Staatsgründung Israels, 1948, als das Superzeichen der Endzeit betrachtet. Da ist was dran, denn die Wiedergeburt einer so alten Nation ist wirklich ein nie dagewesenes Wunder und das jüdische Volk erwartet wirklich noch eine göttliche Zukunft. Allerdings vereint mit der Kirche – der Mutter aller Gläubigen –, nicht getrennt von ihr.

    Es gibt aber ein offensichtliches Endzeitzeichen, das oft übersehen wird – soweit ich es beurteilen kann. Vielleicht weil es gerade so selbstverständlich und auch schon so lange da ist. Es ist die atemberaubende Erfüllung einer jahrtausendealten Vision des babylonischen Königs Nebukadnezars.

    Der Vollständigkeit halber, hierzu eine Zwischenbemerkung: Einige evangelikale Bibellehrer meinen, dass sich die Vision erst noch in der Zukunft erfüllen wird, nämlich in einem göttlich wieder aufgerichteten (ethnischen) Israel, getrennt von der Kirche. Diese Position ist jedoch historisch, theologisch und biblisch gesehen nicht haltbar. Und sie widerspricht vor allem allem, was die Apostel selbst geglaubt und gelehrt haben. Mehr will ich dazu nicht sagen, denn die apostolische Position dürfte in den folgenden Zeilen (hoffentlich) deutlich werden.

    Die Vision, die Nebukadnezar von Gott selbst erhielt, betraf das »Ende der Tage« (Dan 2,28). Der Seher Daniel erklärte ihm den Traum: Es geht um das Reich Gottes, das sich wie ein Stein von einem Berg lösen und ins Rollen gebracht werden wird und immer weiter wachsen wird. Es wird das vierte Weltreich – von Nebukadnezar aus gesehen – zermalmen und es wird in Ewigkeit nicht untergehen (Dan 2,34.44).

    Das erste Reich war Babylon, das zweite Medo-Persien, das Babylon eroberte, das dritte Griechenland, das Medo-Persien schlug, und das vierte Rom, das wiederum die Erben Griechenlands ablöste. In gewisser Weise sollte das Reich Gottes alle diese Weltreiche am »Ende der Tage« zermalmen, weil Rom über die Gebiete aller vier Reiche herrschte (vgl. Dan 2,44).

    Soweit zur Vision, die in der Zukunft gar nicht mehr erfüllt werden kann, da ja seit Nebukadnezar viel mehr als nur vier Weltreiche gekommen sind! Betrachten wir die Welt mit Nebukadnezars und Daniels Augen – und von ihrer geografischen Warte aus –, kann das vierte Weltreich wirklich nur das antike Rom sein. 

    Quaerere Deum, invenire beatidudinem

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    Und dann kam Christus, und zwar als Rom die Welt beherrschte. Gott wurde Mensch. Etwas Größeres hätte in der Weltgeschichte nicht geschehen können. Das ist ein noch größeres Wunder als die Staatswerdung Israels! Und nach seinem Tod, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt begannen die Apostel des Christus davon zu sprechen, dass das »Ende der Zeiten« gekommen war (1Kor 10,11; Hebr 9,26; 1Petr 1,20).

    Mit anderen Worten: Die Apostel glaubten, dass sich durch die Menschwerdung, den Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt des Sohnes Gottes der Stein vom Berg gelöst hatte und immer größer werden würde (vgl. Eph 4,7-16). Sie glaubten, dass das Reich Gottes gekommen war. 

    Wie? In der von Christus auf den Felsen Petrus gegründeten Kirche (Mt 16,18), die der Apostel Paulus als den Leib und das neue Volk des Christus bezeichnete (Eph  1-3). Und tatsächlich, die auf den Felsen Petrus gebaute Kirche ist über die Jahrtausende immer weiter gewachsen, wie jener Stein in der Vision Nebukadnezars – aller Anfeindungen und Abspaltungen zum Trotz. Sie hat das Römische Reich überdauert, ja wirklich zermalmt, und sie existiert bis heute und wird, nach Daniel, in Ewigkeit nicht untergehen. 

    Daher sollte es nicht verwundern, dass die Apostel in ihren Briefen denn auch das Reich Gottes ohne nähere Erklärungen oder Ausführungen mit der Kirche gleichgesetzt haben (Apg 28,31; Röm 14,17; Kol 4,11; 1Thess 2,12). Die Kirche ist die sichtbare Manifestation des Reiches Gottes auf Erden. Dass sie nach Gottes Vorsehung so lange auf Erden existieren würde, ehe Christus für die Vereinigung des Himmels mit der Erde wiederkäme, das hatten die Apostel wohl nicht geahnt und vorausgesehen, obwohl Petrus (wahrscheinlich gegen Ende seines Lebens) prophetisch äußerte: 

    »Dies eine aber, Geliebte, soll euch nicht verborgen bleiben, dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Der Herr der Verheißung zögert nicht, wie einige meinen, die von Verzögerung reden, sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle zur Umkehr gelangen. Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb« (2Petr 3,8-10).

    Das alles bedeutet: Wo immer auf der Welt du eine Kirche siehst, siehst du ein Zeichen der Endzeit. Du siehst, dass Gott sein Wort hält, auf geheimnisvolle und überraschende Weise. Und du siehst, dass unser Glaube echt ist und nicht bloß ein frommes Hirngespinst, das sich einige Narren in alter Zeit ausgedacht hätten, weil sie ohne spirituelle Krücken nicht hätten leben können. 

    Das ist also das am meisten übersehene Zeichen der Endzeit: Die Kirche des lebendigen Gottes, die Säule und das Fundament der Wahrheit (1Tim 3,15).

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